Melanie Vogel hat auf Futability zur Blogparade aufgerufen, “Mut zum Jobwechsel” ist das Thema. Da ich gerade seit einigen Monaten mich für mehr Mut und gegen den Rat der anderen für einen Jobwechsel in die Selbstständigkeit entschieden habe, möchte ich gerne meine Ideen zu diesem Thema mit euch teilen.

#MutzumJobwechsel: Von Ronja Räuubertochter das mutig Sein lernen

Als ich ein kleines Mädchen war, da habe ich Bücher verschlungen. Besonders gerne las ich Bücher über starke Mädchen: Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter. Besonders Ronja habe ich immer bewundert, ihren Mut, ihre Aufmüpfigkeit und ihren eigenen Kopf.

Ich war nie so wie Ronja. Ich war eher so der angepasste Typ, ich habe mich gerne zurück genommen, habe mich eingefügt und gerne beliebt gemacht. Streitigkeiten, Reibereien, Unstimmigkeiten, das war nicht so meins. Auch heute noch fällt es mir schwer, allerdings weiß ich heute, dass es ein so wichtiger Teil meines Lebens ist. Nein zu sagen. Aufzufallen. Mutig zu sein. Für meine Gefühle einstehen und meinen eigenen Weg zu gehen.

Was Ronja uns über das mutig sein lehren kann

Ronja Räubertochter ist ein Buch für junge Erwachsene, ein Mädchen, das nach einem Streit mit seinem Vater für einige Zeit im Wald lebt. Ein Mädchen, das um einen Freund zu retten, sich gegen ihre eigene Familie stellt. Ein Mädchen, das genau weiß, was sie will und, wie für sie Gerechtigkeit aussieht. Ein Mädchen, das im Wald Beeren suchen geht, anstatt das Essen in der Burg zu genießen. Weil sie sich selbst treu ist.

Was Ronja mit meinem persönlichen Weg zu tun hat

In ein Familienunternehmen hinein geboren zu sein, bedeutet auch, dass ein gewisser Weg vorgegeben ist. Zwar lassen die Häuptlinge ihre Kinder sich frei entwickeln, doch der Wunsch nach einer Übernahme des Räuberclans bzw. des Unternehmens ist stark präsent. Mir stand die Welt offen, doch habe ich immer nach Anerkennung gesucht. Habe stets einen Weg gesucht, mich selbst für die Übernahme des Unternehmens vorzubereiten. Mit einigen kleinen Ausrutschern (etwa 4 Jahren des Islamwissenschafts-Studiums). Nach der langen Zeit diverser Studien ging ich nach Berlin, um dort mein Glück zu finden. Privat war das kein Problem und beruflich war ich auch bald aufgehoben, genau in meinem vermeintlichen Traum-Job: PR in einem Medienunternehmen, ein kleines Start-Up zwar, aber doch die perfekte Vorbereitung für ein eventuelles Eintreten in das Medienhaus Familienunternehmen. Irgendwann. Irgendwie. Irgendwo.

Etwas ungeplant und doch nicht überraschend kam dann meine Schwangerschaft dazwischen und eine freudige Auszeit, ein Aufatmen, ein Durchatmen, ein Innehalten und Neu-Ausrichten. Dieses Jahr in Elternzeit mit meinem kleinen Sohn hat mir so viel beigebracht und ich habe mich häufig gefühlt, als sei ich ganz alleine in einem wilden Wald. Auf mich alleine gestellt, mit meiner eigenen kleinen Vorstellung davon, wie mein Leben aussehen sollte: Nämlich anders.

So genau kann ich nicht mehr sagen, wo der Mut herkam. Es war ein langer Prozess. Ein schwieriger Prozess. Und ein Prozess, der in weiten Kreisen lief. Manchmal denke ich an ein Coaching zurück, das ich vor über 2 Jahren hatte, es ging dort um meine berufliche Orientierung und die Coaching Dame sagte zu mir: Ganz ehrlich, Sie sollten Coach werden. Damals habe ich das als „interessante“ Idee abgetan und mich lieber einer vermeintlich sicheren Angestellten-Stelle zugewandt. Ich konnte mich doch nicht einfach selbstständig machen, mit so gut wie keiner Berufserfahrung?

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Der Weg aus dem Wald hinaus

In der Zeit meiner Neuorientierung, in der Elternzeit hat mich die ständige Frage nach dem: Was jetzt? angetrieben. Was sollte jetzt kommen? Wo sollte ich arbeiten? Wann wollte ich wieder einsteigen? Wie konnte ich anknüpfen, an den Weg, der mich näher zum Familienunternehmen führen würde?

Aber plötzlich war alles klar. Mein Körper hat mir letzten Endes den Weg gezeigt: Mein Körper hat aufgegeben. Er ist des Kämpfens müde geworden. Und hat mir gezeigt, warum ich so unglaublich müde, warum ich so ausgekämpft und völlig fertig bin: Weil ich gegen mich selbst kämpfe. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Mir war klar, dass ich langfristig nur gesund sein konnte, wenn ich aufhörte für einen Häuptling oder für eine Räuberbande zu arbeiten. Ich konnte nur ganz und heil werden, wenn ich anfing, für mich selbst zu kämpfen. Meinen Weg zu gehen. Mich zu trauen, meine Ideen zu formulieren. Mich zu trauen, den Job zu wechseln. Hinein in die Selbstständigkeit, ohne finanziellen Puffer, ohne großes Netzwerk und mit sehr viel Gegenwind. Jeden Tag kämpfe ich nun, kämpfe mich immer weiter, kämpfe mich durch. Aber, ich kämpfe endlich für ein ganz anderes Ziel: Nämlich für meinen eigenen Traum.

Und dieses Kämpfen verbraucht mich nicht. Dieses Kämpfen schenkt mir Energie.

Der Mut zum Jobwechsel war für mich lebensnotwendig und es gab eigentlich keine andere Option. Der Mut zum Jobwechsel war eine riesen große Herausforderung und gleichzeitig das befreiendste, was passieren konnte. Ronja hat mir gezeigt, dass es Situationen gibt, in denen man sich gegen alle stellen muss, die einem lieb und teuer sind, weil man sich sonst selbst verraten würde. Und mich selbst nicht zu verraten, ist das allerwichtigste für mein Leben.