Nora Hodeige

Mindset & Strategie für die Entscheider von Morgen

Zur Nachfolge erzogen?

Über 44% Unternehmensinhaber gaben bei einer Befragung 2018 an, dass sie ihr Unternehmen an ihre Tochter oder ihren Sohn übergeben wollen. Was braucht eine Tochter oder ein Sohn um ein guter Nachfolger, eine gute Nachfolgerin zu sein? Kann man zur Nachfolge erzogen werden?

Generell ist es natürlich so, dass die Geburt alleine niemanden zu einem guten Unternehmer und einem verantwortungsvollen Geschäftsinhaber macht. Das war in den Königshäusern nicht so und ist es auch in keinem Familienunternehmen.

Vielmehr ist es die Erziehung, die Kinder oftmals zu exzellenten Inhabern, Gesellschaftern und Unternehmern heranwachsen lässt. Es ist aber eben auch die Erziehung bzw. die Beziehung zu den eigenen Kindern, die schon so manches Unternehmen an den Rande des Ruins getrieben hat.

Next Level Mindset

Nachfolger folgen nicht

Die Weitergabe des Familienunternehmens an einen Nachfolger ruft gleichzeitig bei allen Beteiligten Hoffnung, Sorgen und Erwartungen hervor. Für ein Familienunternehmen ist keine Situation so kritisch und zugleich so wichtig wie die Nachfolge. Es bedeutet für das gesamte Unternehmen einen weitreichenden Wandel, oftmals inhaltlich und von der Ausrichtung her – ein Nachfolger bringt frischen Wind, neue Ideen, moderne Technologien … und gleichzeitig bedeutet eine Nachfolge auch struktureller Wandel in Familie und Gesellschafterkreisen.

Es gibt hier aber keine allgemein gültigen Erfolsstrategien und so scheint es, als müsse jedes Familienunternehmen immer wieder durch diesen Prozess, der scheinbar plötzlich auftritt. Meistens kommen Familienunternehmen besser durch diesen Prozess, wenn sie ihn als genau das ansehen, was es ist: Ein Prozess, der seine Zeit brauchen darf.

Der Nachfolgeprozess ist hochemotional aufgeladen: Fähigkeiten der Kinder (Wissen und Persönlichkeit), Ausbildungen und Gerechtigkeit unter den Geschwistern, weitere Rollen und andere Familienmitglieder, persönliche Wünsche und Vorlieben, Rollen und aktive / passive Tätigkeiten. Da niemand sich gerne mit emotionalen Themen beschäftigt, versuchen viele Familienunternehmer das Thema Nachfolge so lange wie möglich mit Nichtachtung zu bestrafen. Dies führt wiederum zu weiteren emotionalen Verstrickungen, vor allem auf Seiten der Nachfolger, die sich missverstanden, nicht beachtet und alleine gelassen fühlen.

Dies kann die Lage oftmals sehr zuspitzen und den Nachfolgeprozess emotional extrem belasten.

Sinnvoller scheint es da, den Prozess der Nachfolge frühzeitig zu begleiten – von der Entscheidung des Nachfolgers über die Erwartungen der Unternehmergeneration bis hin zu einem individuellen Fahrplan für den Einstieg ins Familienunternehmen.

Wie du als Nachfolger den Übergabeprozess begleiten kannst

  1. Sprich mit der Unternehmergeneration offen über deine Fragen, Wünsche und Vorstellungen
  2. Trenne Unternehmens – und Familienthemen voneinander und lass dich nicht auf emotionale Vermischung ein.
  3. Unterscheide für dich auch die Nachfolge auf Gesellschafter- und Unternehmensebene. Willst du operativ einsteigen oder als Gesellschafterin deine Verantwortung tragen?
  4. Lasse dir eventuelle Kriterien und Voraussetzungen für eine Nachfolge erklären
  5. Schnuppere unternehmerische Luft und arbeite für einige Jahre in einem anderen (Familien-)Unternehmen.
  6. Hole dir externen Rat und Unterstützung, wenn du das Gefühl hast, dass es dir alleine zu viel wird.
  7. Sprich mit deinen Geschwistern oder anderen (familiären) Nachfolgern offen und ehrlich über Befürchtungen, Sorgen, Wünsche und Hoffnungen.
  8. Umgib dich mit Gleichgesinnten – suche dir eine Gruppe von NachfolgerInnen und vernetze dich aktiv.
  9. Sei transparent in deinem Entscheidungsprozess – wo stehst du gerade? Wie sieht dein zeitlicher Horizont für eine (aktive) Nachfolge aus?
  10. Fühlst du dich ausreichend (unternehmerisch) ausgebildet? Überlege dir, was du noch brauchst, um dich fit für die Führung von Mitarbeitern und einem Wirtschaftsunternehmen zu fühlen.

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